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Biodiversität: Jeder Beitrag zählt

Das große Thema Nachhaltigkeit lebt von vielen kleinen, aber wichtigen Projekten. Beispiel Münchsmünster: Hier hat Audi einen naturnahen Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten geschaffen.

23.07.2021 Text: Nadia Riaz-Ahmed - Foto: Fritz Beck Lesezeit: 6 min

Dr. Antje Arnold, Referentin für betrieblichen Umweltschutz bei Audi, steht in einer Wiese auf dem Werksgelände von Audi in Münchsmünster.
Eine Blühfläche auf dem Werksgelände in Münchsmünster: Dr. Antje Arnold, Referentin für betrieblichen Umweltschutz bei Audi, setzt sich hier für den Artenschutz ein.

Man muss schon genau hinsehen, um sie zu entdecken: Die kleinen Wildbienen, die auf dem Audi Werksgelände in Münchsmünster summend von Blüte zu Blüte fliegen, haben auf der 17 Hektar großen Außenfläche des Kompetenzzentrums für Hightech-Fahrwerksteile, Aluminium-Strukturbauteile und Pressteile ein Zuhause gefunden.

 

Seit der Errichtung des Werksgeländes im Jahr 2013 hat Audi in Münchsmünster naturnahe Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen. Der Schutz der biologischen Artenvielfalt in Münchsmünster und an anderen Standorten ist ein kleiner, aber bedeutender Teil der Bemühungen des Unternehmens, die eigenen Produktionsstätten möglichst zukunftsfähig zu gestalten. Über alledem steht ein weiteres Unternehmensziel: Bis 2050 will Audi als Unternehmen bilanziell CO₂-neutral 1 sein. Dementsprechend hat Audi den gesamten Lebenszyklus seiner Produkte im Blick: von der CO₂-Reduzierung in der Lieferkette über die angestrebte, bilanziell CO₂-neutrale 1 eigene Fahrzeugproduktion bis 2025 und eine möglichst emissionsarme Nutzungsphase der Automobile bis hin zur verantwortungsvollen Verwertung von Fahrzeugbestandteilen am Ende eines Autolebens.

 „Die biologische Vielfalt ist ein grundlegender Faktor der menschlichen Existenz“, sagt Dr. Antje Arnold. Die Biologin und Referentin des betrieblichen Umweltschutzes bei Audi koordiniert alle Biodiversitätsinitiativen im Rahmen des Audi Umweltprogramms Mission:Zero. 2015 ist Audi der bundesweiten Initiative „Biodiversity in Good Company“ beigetreten – ein Bekenntnis zur Biodiversität. Alle Aktivitäten für den Erhalt biologischer Vielfalt bündelt Audi inzwischen in seinem Umweltprogramm Mission:Zero. Den Großteil ihrer Arbeitszeit verbringt Arnold dabei nicht in der Natur, sondern in Konferenzen mit Mitarbeiter_innen von Audi. Denn es zählt zu ihren Aufgaben, das Bewusstsein für die Bedeutung der Biodiversität in der Belegschaft zu schärfen.

Die biologische Vielfalt ist ein grundlegender Faktor der menschlichen Existenz.“

Dr. Antje Arnold

Biodiversität ist dabei mehr als Artenvielfalt. „Zum einen gibt es die Vielfalt von Ökosystemen. Allein in Europa haben wir über 270 verschiedene dieser Lebensraumtypen. Wird ein Bestandteil von den Menschen verändert, ändert sich das ganze Ökosystem“, erklärt Arnold. „Genauso entscheidend ist die Vielfalt der Arten.“ Ebenso wichtig ist die genetische Diversität innerhalb einer Art. Ein Beispiel: Gibt es nur noch wenige Exemplare des Bengalischen Tigers, wird es eines Tages zur Inzucht kommen und die Art wird vom Aussterben bedroht sein. Denn genetische Vielfalt macht es Lebewesen erst möglich, sich an sich verändernde Umweltbedingungen anzupassen.

 

Klar, Bengalische Tiger gibt es in Münchsmünster natürlich nicht. Dafür haben sich aber mittlerweile 160 Blühpflanzen- und 100 Wildbienenarten etabliert. Zum Vergleich: In einem Naturschutzgebiet werden etwa 110 bis 120 Wildbienenarten erwartet. „Wir haben hier einige Arten entdeckt, die in der Region seit 20 Jahren als verschollen galten“, sagt Arnold. Dazu zählt etwa die Heidehummel, von der es in Bayern und in der voralpinen Schotterplatte jahrzehntelang keine Nachweise gab; sie wird deshalb in der aktuellen Roten Liste Bayerns als „ausgestorben oder verschollen“ geführt.

Von einer gesunden Biodiversität profitiert auch der Mensch. „Sie ist die Wirtschafts- und Lebensgrundlage für uns Menschen. Man kann sich Biodiversität als ein stark verzweigtes Netz vorstellen, in dem wir liegen. Je mehr Löcher in diesem Netz entstehen, umso wahrscheinlicher ist es, dass wir durchfallen“, so die Biologin. Doch es ist insbesondere der Mensch, der Biodiversität durch sein Handeln und dessen Folgen beeinflusst. Beispiel Klimawandel: „Vielen Arten wird es in manchen Regionen plötzlich zu heiß, und sie schaffen es nicht, schnell genug zu wandern und der Hitze auszuweichen“, erklärt Arnold. „Alles, was wir tun, beeinflusst die Biodiversität. Und die Biodiversität stirbt leise. Das bekommen wir gar nicht mit, wenn wir nicht darauf achten.“

Ein ganzheitlicher Blick auf Nachhaltigkeit

Wer nachhaltig sein will, muss ganzheitlich denken: Im Zentrum des unternehmerischen Handelns steht bei Audi das Thema Nachhaltigkeit. Dafür behält der Konzern die gesamte Wertschöpfungskette im Blick und setzt an den vier Säulen Lieferkette, Produktion, Betrieb des Fahrzeugs und Verwertung an. In der Säule Produktion ist das Umweltprogramm Mission:Zero verortet. Es konzentriert sich in der Produktion auf die vier Handlungsfelder Dekarbonisierung, Wassernutzung, Ressourceneffizienz und Biodiversität. Bis 2025 sollen alle Audi Standorte bilanziell CO₂-neutral 1 produzieren. Außerdem arbeitet Audi angesichts zunehmender Wasserknappheit und abnehmender Trinkwasserqualität in industrialisierten Regionen an effizienteren Prozessen und Wasserkreisläufen in seinen Produktionsstätten.

Wenn Arnold über die Magerwiesen, Stauden- und Gehölzflächen in Münchsmünster läuft, steht ihr die Begeisterung über das Gebiet ins Gesicht geschrieben. Es ist bunt hier, denn es wachsen viele unterschiedliche Pflanzenarten wie Echtes Labkraut, Natternkopf oder Sand-Grasnelke.

 

„Jede Maßnahme zum Schutz der Biodiversität, egal wie klein sie zunächst scheint, zählt“, sagt sie. Neben Wiesengarten, Totholzbereichen und einem Bachlauf gibt es hier daher auch ein von den Auszubildenden des Standortes gebautes Hummelhaus für heimische Arten wie die Ackerhummel oder ein Wildbienen-Apartment. Bienen zu schützen ist für Natur und Mensch besonders bedeutend: Sie bestäuben Wild- und Nutzpflanzen und sorgen damit letztendlich für die Ernährung der Menschen. Durch intensive Landwirtschaft sind Nist- und Nahrungsplätze für sie rar geworden. Umso wertvoller sind Projekte wie das in Münchsmünster, um einen Lebensraum für die Insekten zu schaffen.

Wir müssen genau auf Biodiversität achten. Denn sie stirbt leise.“

Dr. Antje Arnold

Auch wenn das von Audi entwickelte Areal mit 17 Hektar verhältnismäßig wenig Fläche bietet, kann es viel bewirken. „Wir schaffen hier einen Lebensraum, in dem unterschiedliche Tierarten sich ungestört vermehren können. Von hier aus verbreiten sie sich weiter in die freie Landschaft“, sagt Arnold und vergleicht den Ort mit einer Art Geburtsstation.

 

Um eine möglichst große Wirkung zu erzielen, gehen die Biologin und ihr Team die Projekte zum Schutz der Artenvielfalt strategisch an. Sie ermitteln per Biodiversitätsindex die biologische Vielfalt an den verschiedenen Audi Standorten. Dadurch können sie feststellen, wie biodivers die Standorte sind, eine Strategie für eine bessere Naturbilanz ausarbeiten und deren Erfolg messen. Je sichtbarer die Projekte mit den bunten Blumenwiesen und Hochbeeten sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass jeder Mitarbeitende diese Eindrücke mit nach Hause nimmt und dort die Mission Biodiversität weiterträgt. Künftig wird es deswegen auch Workshops und Führungen für alle geben. Im neuen Projekt „Urban Gardening“ am Standort Ingolstadt können die Mitarbeiter_innen jetzt schon selbst in den Hochbeeten gärtnern. „Da bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, was wir gemeinsam anstoßen können“, sagt Dr. Antje Arnold.

Dr. Antje Arnold
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