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„Der Mensch steht im Mittelpunkt“

Digitale Vernetzung und künstliche Intelligenz (KI) werden unsere Gesellschaft, das alltägliche Leben, die Arbeitswelt und unsere Art der Fortbewegung grundlegend verändern. Die Initiative &Audi befasst sich mit diesem komplexen Themenfeld an der kommunikativen Schnittstelle zwischen Entwicklern, Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit. Im Interview erläutert Projektleiterin Saskia Lexen, welche Ziele die Initiative verfolgt und wie sie dabei vorgeht.

20.01.2021 Interview: Jan Strahl ― Illustrationen: AUDI AG Lesezeit: 8 min

Diese Illustration zeigt eine Person mit einem Smartphone und ein Fahrzeug im Hintergrund. Symbole im Vordergrund deuten an, dass die Person über ihr Handy mit dem Fahrzeug vernetzt ist und diverse Funktionen zur Fahrzeugsteuerung nutzen kann.

Zu welchem Zweck wurde die Initiative &Audi ins Leben gerufen, und welchen Themenfeldern widmet sie sich?

Saskia Lexen: Mit der Initiative &Audi wollen wir einen Beitrag leisten, dass neue technologische Möglichkeiten, konkret das autonome Fahren, verantwortungsvoll eingesetzt werden und Audi seine Expertise in den Dialog einbringen kann. Dabei geht es uns nicht nur um die Frage, was rechtlich akzeptabel ist, sondern auch darum, was ethisch wünschenswert ist. Wir stellen bei unseren Überlegungen immer den Menschen in den Mittelpunkt und hinterfragen, wie Technologie dazu beitragen kann, dass wir als Individuen und als Gesellschaft unsere Ziele erreichen. Wir sehen vor allem im automatisierten Fahren großes Potenzial und sind überzeugt, dass die Technologie eine Bereicherung für unsere Kundinnen und Kunden darstellt. Gleichzeitig betrachten wir es als große Chance und unsere Verantwortung, wichtige Erkenntnisse aus unserer Entwicklungsarbeit zu teilen. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, eine angemessene Erwartungshaltung zu den Möglichkeiten und Grenzen der Technologie in der Gesellschaft zu etablieren. Dazu müssen wir wissen, was die Menschen bewegt.

 

Warum ist es für ein Unternehmen wie Audi so bedeutend, den Umgang mit neuen Technologien zu thematisieren und möglichst viele Kunden mit einzubinden?

Automatisiertes Fahren ist eine Schlüsseltechnologie, die unseren Verkehr sicherer und unsere Mobilität komfortabler machen kann. Indem wir Wissen vermitteln und Austausch anregen, fördern wir auch langfristig die positive Akzeptanz der Technologie. Wir teilen Daten eher, wenn wir darin einen Mehrwert für uns und andere sehen. Für das automatisierte Fahren bedeutet das künftig: Durch die vom Kunden legitimierte Sammlung von Fahrzeugdaten, die keinen Bezug zum individuellen Fahrzeug oder zur Person haben, können wir beispielsweise Daten zum Umfeld oder zur Fahrzeugnutzung auswerten. Je größer die angebundene Kundenflotte und je besser die zur Verfügung stehenden Daten, desto größer ist im nächsten Schritt auch wieder der Nutzen für den Kunden. Diese Daten werden künftig neben unserer Test- und virtuellen Fahrzeugflotte die Basis für die permanente Optimierung von Kundenfunktionen. So erreichen wir viel kürzere Innovationszyklen.

 

Auf welche Weise werden diese Themen angegangen?

Die Initiative &Audi nutzt verschiedene Formate, um eine Plattform für den Dialog zu schaffen. Bei Workshops und Konferenzen treffen Software-Ingenieure auf Philosophen, Start-up-Unternehmer auf Psychologen und Bio-Ethiker auf Juristen. Kolleginnen und Kollegen aus allen Geschäftsbereichen bei Audi vernetzen sich mit externen Experten und arbeiten an Antworten auf Fragen, die die Öffentlichkeit bewegen. So gab es im Rahmen der Filmfestspiele Berlinale 2019 beispielsweise eine Podiumsdiskussion dazu, ob künstliche Intelligenz Drehbücher schreiben kann. Ein anderes Beispiel: Auf einer Artificial-Intelligence-Konferenz am MIT in Cambridge stand 2017 das Thema Fahrsicherheit im Fokus – und welche Rolle künstliche Intelligenz dabei spielen kann.

 

Die Initiative &Audi hat eine umfangreiche Studie durchgeführt. Bitte beschreiben Sie, worum es dabei geht.

Mit der repräsentativen Onlinestudie „The Pulse of Autonomous Driving“ haben Audi und das Marktforschungsinstitut Ipsos im vergangenen Jahr untersucht, wie rationale Argumente, Emotionen, Wertvorstellungen und Lebensstile die Einstellung zum autonomen Fahren prägen. Insgesamt 21.000 Menschen aus neun Ländern – China, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Spanien, Südkorea, den USA und dem Vereinigten Königreich – auf drei Kontinenten wurden zu ihren Einstellungen befragt. Die Ergebnisse der Studie gliedern sich in drei Teile: Zunächst zeigt eine emotionale Landkarte die Einstellung der befragten Nationen gegenüber dem autonomen Fahren. Außerdem gibt der eigens entwickelte Human-Readiness-Index (HRI) Aufschluss darüber, wie die Einstellung zum autonomen Fahren mit der Soziodemografie zusammenhängt. Und drittens betrachtet eine Nutzertypologie die Einstellung zum autonomen Fahren im Lebenskontext der Menschen. So identifiziert die Studie für uns zentrale Handlungsfelder, die über die gesellschaftliche Akzeptanz von autonomem Fahren mitentscheiden. Und wir haben gesehen: Es gibt noch Potenzial, das Wissen zu diesem Thema zu stärken.

Welches Ergebnis der Studie hat sie am meisten überrascht und welches lag am ehesten auf der Hand?

Wenig überraschend war die Erkenntnis, dass sich nur eine Minderheit (8 %) „in der Lage fühlt, das Thema zu erklären“. Bei vielen technischen Themen wie zum Beispiel dem Unterschied zwischen einem Automatik- und einem Doppelkupplungsgetriebe sieht es vermutlich ähnlich aus. Überrascht hat mich die Spannung zwischen technologischer Neuerung und Veränderung. Die meisten Befragten äußerten Interesse (82 %) und Neugier (62 %) im Hinblick auf das autonome Fahren. Allerdings hat eine Mehrheit auch Bedenken angesichts des Kontrollverlustes (70 %), technisch unvermeidbarer Restrisiken (66 %) und des fehlenden gesetzlichen Rahmens (65 %). Eine neue Technologie zu schätzen, erfordert zunächst einmal nur Aufgeschlossenheit. Es beinhaltet aber noch keine tatsächlichen Risiken oder Kosten. Sich auf eine Veränderung einzulassen, bedeutet aber eine Verbindlichkeit, die Bedenken zu Risiken und Kosten aufkommen lässt. Das autonome Fahren ist sowohl eine realistische Neuerung wie auch eine Veränderung, die es so noch nicht gegeben hat. Um ein hohes Maß an Interesse und Neugier in ein geringes Maß an Bedenken zu übersetzen, sind bessere Technologie, mehr Sicherheit und ein robuster ethischer sowie gesetzlicher Rahmen erforderlich. Die hohen Erwartungen sind daher verständlich.

Wissen über autonomes Fahren, länderübergreifend

Ein Diagramm widmet sich länderübergreifend dem Thema Wissen über autonomes Fahren.
10 % haben noch nichts davon gehört, 60 % haben schon davon gehört, 8 % trauen sich zu, das Thema zu erklären, 22 % wissen viel darüber. Quelle: Studie „The Pulse of Autonomous Driving“ (www. audi.com/de/company/research/and-audi-initiative/study-autonomous-driving.html)

Im Rahmen der Studie wurden unterschiedliche Nutzertypen charakterisiert. Wieso ist eine Nutzertypologie für Audi interessant?

Vom „misstrauischen Selbstfahrer“, der Unbekanntem grundsätzlich kritisch gegenübersteht und das Lenkrad nicht aus der Hand gibt, bis zum „technikaffinen Passagier“, der am liebsten schon heute in ein selbstfahrendes Auto steigen möchte, haben wir fünf Nutzertypen identifiziert, die sich – von abweisend bis begeistert – zum autonomen Fahren positioniert haben. In unserer Kommunikation haben wir die Möglichkeit, unterschiedliche Bedürfnisse anzusprechen und zum Beispiel auf länderspezifische Eigenheiten einzugehen. Die Nutzertypologie macht Unterschiede bei den Einstellungen zum autonomen Fahren in Abhängigkeit vom Lebenskontext der Menschen deutlich. Diesen unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen sollte mit entsprechender Kommunikation und spezifischen Angeboten des autonomen Fahrens begegnet werden. Diese können reichen von Informationen bis hin zu Technologie-Erfahrungen, zum Beispiel Probefahrten. Auf der Website zur Studie kann übrigens jeder selbst testen, welcher Nutzertyp des autonomen Fahrens sie oder er ist.

Emotionen zum autonomen Fahren, länderübergreifend

Eine Infografik behandelt das Thema Emotionen zum autonomen Fahren, länderübergreifend.
A: neugierig, B: optimistisch, C: misstrauisch, D: ängstlich. Quelle: Studie „The Pulse of Autonomous Driving“ (www. audi.com/de/company/research/and-audi-initiative/study-autonomous-driving.html)

Welche Erkenntnis aus der Studie halten Sie für die wichtigste?

Wir müssen nicht nur bei der Technologie-Entwicklung vorankommen, sondern auch „das Menschliche“ im Blick haben.

Die Frage zur Zukunft des autonomen Fahrens ist nicht, wann oder wo, sondern wie es kommen wird. Von Bedeutung wird dabei sein, welche Optionen, Angebote und Umfänge für die Kunden verfügbar sein werden. Ihre Bedürfnisse, Vorlieben, Einstellungen und Umstände sind unterschiedlich. Deshalb müssen wir neue Technologien frühzeitig mit Kunden erproben, um Funktionen zielgerichtet anbieten zu können.

 

Welche Aktivitäten der Initiative &Audi sind für die Zukunft geplant?

Wir möchten das bereits gewonnene Wissen noch stärker nutzen, um den Dialog zwischen internen und externen Experten und der Gesellschaft zu fördern. Interessant wird im kommenden Jahr auch die Debatte um die gesetzlichen Rahmenbedingungen, das Thema rückt bei der Politik gerade weiter oben auf die Agenda. Außerdem möchten wir in Zukunft verstärkt zum Beispiel Podcasts und Social Media nutzen, um die Beschäftigung mit KI und dem autonomen Fahren im Alltag immer wieder präsent zu machen.

 

Welchen Aspekt der künstlichen Intelligenz finden Sie persönlich am faszinierendsten?

Ein faszinierender Anwendungsfall ist das Zusammenspiel von Algorithmen und Sprache, wie beim Einsatz künstlicher Intelligenz im Journalismus. Per App kann ich zum Beispiel die Kurzzusammenfassung ganzer Fachbücher lesen – erstellt durch eine KI, die die zentralen Kernbotschaften extrahiert.

 

Was würden Sie jemandem sagen, der Sorge vor den technischen Entwicklungen äußert, zum Beispiel weil er Kontrollverlust fürchtet?

Im technologischen Wandel liegt immer eine Chance. Jede und jeder kann mit Neugier und seiner persönlichen Haltung dazu beitragen, dass technische Neuerungen auf breite gesellschaftliche Akzeptanz stoßen und uns helfen, unseren Alltag im Großen und Kleinen besser zu machen. Wichtig ist aber, dass jeder dabei ein eigenes Tempo hat und haben darf.

Eine Illustration stellt symbolisch die Vernetzung des Fahrzeugs mit dem Umfeld und den örtlichen Gegebenheiten dar.
Wissensaustausch und Zukunftsvisionen

Wissensaustausch und Zukunftsvisionen

Mit Workshops, Studien und Events fördert die Initiative &Audi den Dialog rund um das Thema Künstliche Intelligenz.

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