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„Das Leitmotiv für mein Leben: Die Zukunft ist jetzt“

Lucas di Grassi ist der erfolgreichste Fahrer der Formel E. Aber auch abseits der Rennstrecke engagiert sich der Audi Werksfahrer für die Elektrifizierung der Mobilität. Ein Gespräch über seinen Einsatz für eine bessere Zukunft, die Revolution der Mobilität und Perspektiven für seine Kinder.

16.02.2021 Interview: Frieder Pfeiffer - Foto: Ramon Haindl Lesezeit: 8 min

Blick durch den Audi e-tron GT quattro auf Lucas di Grassi.

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Lucas di Grassi, kommen wir Ihrer Begeisterung für die Zukunft durch einen Blick in die Vergangenheit auf die Spur. Woher rührt dieser innere Drang, die Zukunft zu gestalten?

Ich war schon immer davon überzeugt, dass jeder Mensch moralisch und gesellschaftlich verpflichtet ist, sich stetig für die Verbesserung seines Wirkungsfelds einzusetzen. Mich zum Beispiel hat Motorsport von klein auf begeistert. Und irgendwann wurde mir klar, dass der Rennsport auch eine Plattform für die Weiterentwicklung von Technologie ist. Eine Plattform, um Menschen zu inspirieren und ihnen ein immer besseres Mobilitätserlebnis zu bieten.

 

Wann haben Sie dieser Überzeugung erstmals Taten folgen lassen?

Ich habe mit 22 meine erste NGO gegründet. Mir war aufgefallen, dass ich viel effizienter und kraftstoffsparender Auto fuhr als andere Mitglieder meiner Familie. Deshalb wollte ich anderen Tipps geben, wie man sicherer und gleichzeitig kosten- und spritsparender fahren kann – anders gesagt, wie sich Geld sparen und dabei die Umwelt schützen lässt. Es war nur ein kleines Projekt, aber bereits von demselben Geist getragen wie meine Initiativen heute. Ich möchte mein Wissen über Mobilität und die Technologie dahinter nutzen, um beides voranzubringen. Ich möchte ein Bewusstsein schaffen und andere inspirieren, damit effizientere Technologien entstehen.

Ich möchte ein Bewusstsein schaffen und andere inspirieren.

Warum ist Ihnen das so wichtig?

Meine Vorfahren kamen aus Italien nach Brasilien. Meine Wurzeln liegen also in Italien und ich bin zu 91 Prozent Italiener, das hat einmal ein Gentest ergeben. Als mein Urgroßvater nach Brasilien kam, gehörte die Familie schon der Mittelschicht an. Mein Vater hat sehr hart gearbeitet und so stieg die Familie weiter auf. Daher musste ich mir in meinem Leben zum Glück noch nie Sorgen machen. Ich hatte die besten Voraussetzungen. Gleichzeitig hatte ich immer das Bedürfnis, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Das treibt mich an. Und deshalb möchte ich die Zukunft mitgestalten und die Welt mithilfe von Technologie und Innovation zu einem besseren Ort machen. Ich wollte schon immer Erfolg haben. Aber erfolgreich zu sein und der Gesellschaft nichts zu geben, ist nicht nachhaltig. So hinterlässt man nichts von Bedeutung. Und zudem …

 

Erzählen Sie nur weiter.

Ein gesellschaftliches Problem liegt immer noch darin, dass die Menschen völlig unterschiedliche Startvoraussetzungen haben. Aus meiner Sicht gehen die Probleme der Welt im Kern darauf zurück, dass es keine Chancengleichheit gibt. Wer in den brasilianischen Favelas zur Welt kommt, kann sich zwar hocharbeiten, hat es aber viel schwerer. Gleichzeitig ist es natürlich wunderbar, dass wir alle unterschiedlich sind. Jeder Einzelne kann sich nach seinen persönlichen Vorlieben und Stärken einbringen. Genau das versuche ich Tag für Tag. Mich treibt eine große Neugier um. Ich will verstehen, wie die Welt funktioniert. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich nach. Außerdem lese ich viel, besonders zu Themen, mit denen ich mich nicht gut auskenne. Ich versuche, die Wirklichkeit objektiv zu erfassen und ein besserer Mensch zu werden.

Lucas di Grassi blickt auf das Heck des Audi e-tron GT quattro.

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Die Folierung des abgebildeten Fahrzeugs ist aktuell weder als Serien- noch als Sonderausstattung verfügbar.

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Die Folierung des abgebildeten Fahrzeugs ist aktuell weder als Serien- noch als Sonderausstattung verfügbar.

Sie können also richtig unbequem sein?

Wenn ich etwas Neues lerne, hinterfrage ich immer alles. Oft sind die Leute sehr oberflächlich. Sie nehmen die Welt halt so hin und denken nicht weiter. Aber es gibt eigentlich immer Wege, Dinge viel effizienter anzugehen. Deshalb stelle ich stets die Frage nach dem Hauptziel eines Produkts oder Prozesses. Ist es optimal? Und wenn es sich optimieren lässt, mit welchen Technologien am besten? Und wenn es die passende Technologie nicht gibt, wie können wir sie entwickeln? Wenn man die Dinge derart umkrempelt, gerät man vor lauter Aufgaben anfangs schon mal ins Rotieren. Aber danach wird es richtig spannend. Und genau da möchte ich immer hin. Denn das Leitmotiv für mein Leben lautet: Die Zukunft ist jetzt.

 

Und wie erkennt man, wohin die Reise geht?

Sich mit einem Thema gut auszukennen, hilft natürlich. Je mehr man über eine Technologie weiß, desto klarer erkennt man, in welche Richtung die Dinge laufen und wie die Zukunft aussehen wird. Nehmen wir Elektromobilität: Im Jahr 2007 dachte ich noch nicht, dass alles elektrisch werden würde. Als ich 2012 zu Audi kam, zeichnete sich der Weg schon klarer ab. Es gab Hybridfahrzeuge und die Qualität der Batterien war besser geworden. Man hatte eine Vorstellung davon, wie sich die Technologie entwickeln würde – und die Gründung der Formel E sowie unsere Überzeugungsarbeit waren von Erfolg gekrönt. Mittlerweile realisieren die Leute, dass die Zukunft schneller kommt als viele dachten, was mich sehr freut. So ist es ja oft. Die Entwicklung disruptiver Technologien schreitet rasant voran – so war es mit den Mobiltelefonen, dem Internet und auch dem Fernsehen. Noch sind nicht alle Herausforderungen der Elektromobilität gelöst. Weil wir mit der Formel E gezeigt haben, dass Elektromobilität sexy ist, hat das Thema aber Aufmerksamkeit bekommen. Alle Hersteller setzen darauf. Noch vor gar nicht langer Zeit haben sie über die Formel E gelacht. Heute wollen alle mit dabei sein.

 

Ist die Revolution der Elektromobilität noch aufzuhalten?

Nein. Die Zukunft ist da, und sie sieht gut aus. Daran gibt es keinen Zweifel. Und ich will Ihnen sagen, warum. Hier geht es nicht darum, ob einem Rot oder Gelb besser gefällt. Elektromobilität ist keine Frage des Geschmacks. Sie ist schlicht und ergreifend die beste Lösung. Man muss sich nur einmal die Physik dahinter anschauen. Der Elektromotor hat einen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent. Beim Verbrennungsmotor liegt er erheblich niedriger. Es steht wirklich außer Frage: Die Zukunft ist elektrisch – und das gilt übrigens für alles. Okay, vielleicht nicht für Raketen, weil sie nach einem anderen Prinzip funktionieren. Aber selbst Flugzeuge werden irgendwann elektrisch unterwegs sein.

Elektromobilität ist keine Frage des Geschmacks. Sie ist schlicht und ergreifend die beste Lösung.

Gibt es etwas, wofür Sie sich nicht interessieren?

Wahrscheinlich nicht viel. Aber Naturwissenschaften interessieren mich doch mehr als Sozialwissenschaften. Ich möchte wissen, welche Grundstrukturen die Welt bestimmen und menschliches Verhalten beeinflussen. Ich versuche, in puncto Technologie auf dem Laufenden zu sein, besonders im Bereich Physik oder auch Mathematik. Wohin sollte sich die Gesellschaft entwickeln? Und wie kann ich persönlich sicherstellen, dass sie die richtige Richtung einschlägt?

 

Sie selbst bewegen sich aktuell mit einem Audi e-tron GT quattro in Richtung Zukunft.

Der ist wirklich toll. Ein fantastisches Auto, von dem viele träumen und das sich nur wenige leisten können. Ein Sehnsuchtsobjekt, das Lust auf Technologie macht. Die Leute sehen, dass Nachhaltigkeit und Leistung sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern miteinander vereinbar sind. Natürlich wird der Audi e-tron GT quattro alleine nicht die Welt verändern. Aber er setzt Maßstäbe. Er führt vor Augen, was Technologie zu leisten vermag. Darüber kann sich Elektromobilität in der Breite etablieren. Und so verändern wir die Welt. Das ist wie mit der Formel E. Diese Innovationen inspirieren und zeigen den Leuten auf, wie Technologie die Menschheit voranbringt. Sie machen die Mobilität der Zukunft greifbar – und dadurch wird sie Wirklichkeit.

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch kombiniert*: 19,6–18,8 kWh/100km (NEFZ); 21,6–19,9 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch kombiniert*: 19,6–18,8 kWh/100km (NEFZ); 21,6–19,9 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Sie sind seit 2018 als UN-Klimabotschafter unterwegs. Wie hat das Ihr Leben beeinflusst?

Es verleiht mir Glaubwürdigkeit. Aber der Titel an sich bedeutet nichts, für sich genommen ist er keine Leistung. Wenn ich zu Hause die Wand anstarre, bewirke ich nichts. Ich muss aktiv werden, netzwerken, das Gespräch mit Führungspersönlichkeiten suchen und meinen Einfluss ausbauen. Diese Rolle muss man ausfüllen, und genau das versuche ich. Sie passt prima zu meiner Lebensphilosophie. Ich möchte die Botschaft laut und deutlich in die Welt hinaustragen.

 

Sie sind jetzt 36 und haben schon enorm viel erreicht. Sie könnten es ruhig angehen lassen. Aber das entspricht nicht Ihrem Naturell, oder?

Ich habe viele Ziele. Auch Familienzuwachs gehört dazu. Ich habe einen zweieinhalb Jahre alten Sohn und im Februar kommt meine Tochter zur Welt. Die Familie wird also größer und das ist eine echte Herausforderung. Abgesehen von einigen Zielen im Motorsport möchte ich vor allem meine Kinder vernünftig großziehen. Auch hierzu lese ich viel und informiere mich nach Kräften. Kindererziehung ist eine knifflige Sache. Es gibt keine klaren wissenschaftlichen Leitlinien. Jeder muss sich der Aufgabe auf seine eigene Weise stellen. Als Vater habe ich die Chance, die Entwicklung in eine Richtung zu lenken, die ich für richtig halte. Mit Sicherheit weiß ich, dass ich meine Liebe zur Wissenschaft an meine Kinder weitergeben will. Ich wünsche mir auch, dass sie der Zukunft voller Neugier begegnen. Vor Kurzem habe ich ein Kinderbuch geschrieben und herausgebracht. Es ist von Disneys „Drei kleinen Schweinchen“ inspiriert. In meinem Buch sind die Schweine im Weltraum. In der Geschichte geht es um die nachhaltige Wirkung harter Arbeit. Das Schwein, das Weitblick bewiesen und sich am meisten angestrengt hat, rettet die beiden anderen. Denn darauf kommt es doch häufig an: auf Einsatz und Weitblick.

Blick durch die Frontscheibe in die Augen von Lucas di Grassi.

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Die Folierung des abgebildeten Fahrzeugs ist aktuell weder als Serien- noch als Sonderausstattung verfügbar.

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Die Folierung des abgebildeten Fahrzeugs ist aktuell weder als Serien- noch als Sonderausstattung verfügbar.

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Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch kombiniert*: 19,6–18,8 kWh/100km (NEFZ); 21,6–19,9 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

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