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„Wir brauchen neue Allianzen!“

Das Greentech Festival gilt als Bühne für nachhaltige Technologien und findet nun erstmals auch in London statt. Als Partner mit vor Ort: Audi. Für Gründer Marco Voigt ist die Internationalisierung ein wichtiger wie logischer Schritt. Ein Gespräch über grünen Lifestyle, nachhaltige Strumpfhosen und die Magie des Zufalls.

04.11.2021 Text: Patrick Morda ― Foto: Jelka von Langen Lesezeit: 9 min

Marco Voigt auf einer Straße in Berlin-Mitte
Aufgewachsen ist der studierte Fahrzeugtechnik-Ingenieur Marco Voigt in der brandenburgischen Niederlausitz, im Spreewald. Heute lenkt er aus Berlin-Mitte heraus das Greentech Festival und die Green Window Agency.

Herr Voigt, seit dem Start 2019 findet das Greentech Festival (GTF) in Ihrer Heimatstadt Berlin statt. Jetzt der Schritt in die Welt: aufgeregt?

Marco Voigt: Positiv angespannt, würde ich sagen. Aber wir hatten das von Anfang an im Blick. Die Herausforderungen, denen wir auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil gegenüberstehen, sind nun mal global. Der Klimawandel ist global. Man kann in Deutschland viel erreichen, aber nicht alles. Es gibt so viele Orte, an denen spannende Ideen entwickelt werden und Dinge passieren.

 

So wie zum Beispiel in London, wo jetzt der erste Ableger des Festivals stattfindet. Warum gerade dort?

Das hat viele Gründe. Einer ist zum Beispiel, das hat man vielleicht gar nicht so im Blick, dass Großbritannien im Bereich der erneuerbaren Energien eine führende Rolle spielt. Dann sehen wir uns als eine, zugegeben kleine, thematisch passende Ergänzung zur UN-Klimakonferenz COP26, die zeitgleich in Glasgow abgehalten wird. Dazu muss man sagen, dass wir auch Nordamerika und Asien im Blick hatten und haben. Aber in Zeiten der andauernden Pandemie war bisher eine interkontinentale Planung kaum darstellbar.

 

Auch aufgrund von Corona hat das GTF in London nicht die Dimensionen wie zuletzt in Berlin. Im Vordergrund steht das Vernetzen, der Austausch im institutionellen Bereich. Ist das noch ein Festival?

Im Zentrum steht, wie auch in Berlin, die Konferenz, die wir hochkarätig besetzen konnten. In London dreht die sich um die Themen Energie und Finanzen. Auch gibt es wieder eine Award-Verleihung, und natürlich gibt es auch ein Rahmenprogramm. Wir sind erlebbar, aber ein wenig kleiner als in Berlin.

„Audi ist für uns ein, in London würde man wohl sagen, perfect match“

Marco Voigt

Energie und Finanzen, das Thema Mobilität haben Sie jetzt nicht explizit genannt. Dennoch ist Audi auch als Global Partner dabei.

Mir ist wichtig zu betonen, dass wir keine Sponsoren im klassischen Sinn suchen, sondern Partner. Es geht nicht darum, Geld einzusammeln und Logos zu platzieren. Audi ist für uns ein, in London würde man wohl sagen, perfect match. Man hat dort aus meiner Sicht die Herausforderungen der Transformation nicht nur angenommen, sondern konkrete Maßnahmen definiert und deren Umsetzung angestoßen. Das spüren wir in den vielen Meetings, die wir gemeinsam haben. Wir sind mit Audi im ständigen Austausch, versuchen gemeinsam zu gestalten. Ohnehin steht beim Greentech Festival der Mobilitätssektor immer im Fokus, denn er ist Verbindungselement für viele Technologien und Branchen. Energie ist letztlich ein Kernthema der Mobilitätswende.

 

Mobilität steckt tief in Ihrer Vita. Sie sind ausgebildeter Kfz-Mechaniker, haben Fahrzeugtechnik studiert und bei einem Sportwagenhersteller gearbeitet. Wie ist Ihr Blick auf die Branche?

Vereinfacht dargestellt, wäre ich gern noch einmal zwanzig Jahre jünger und könnte noch einmal direkt in der Automobilbranche arbeiten. Das ist gerade ein so spannender Moment, einmalig in der Geschichte. Zudem gibt es in meinen Augen auch noch nicht den einen Masterplan, der aufzeigt, wie wir in zwanzig Jahren unterwegs sein werden. Da ist unglaublich viel im Werden und Entstehen. Viel Innovation, viel Dynamik und viele Chancen.

Blick ins Büro von Marco Voigt
Im Büro in Berlin-Mitte ist nicht selten auch der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg zu Gast. Mit ihm und Sven Krüger gründete Marco Voigt 2018 das Greentech Festival. 2019 fand es erstmals auf dem Flughafengelände von Berlin-Tempelhof statt.

Zuvor haben Sie allerdings Ende der 1990er-Jahre ein Postzustellungsunternehmen gegründet, danach die Bundesregierung zum Thema E-Mobilität beraten. Mussten Sie sich erst finden?

Mit der Gründung der Pin AG 1999 habe ich schon in jungen Jahren das Unternehmertum kennenlernen dürfen. Wobei, das will ich nicht verleugnen, meinen Job in der Automobilentwicklung fand ich wirklich spannend. Ich habe da aber schon viel über erneuerbare Energien nachgedacht und mich daraufhin anders orientiert, und plötzlich habe ich, für eine Agentur arbeitend, die damalige Bundesregierung in Sachen Elektromobilität beraten. Ich hatte anfangs gar nicht den Einblick und das Wissen, aber habe relativ schnell gemerkt, dass da mehr ist, dass sich da etwas tut. Das hat mich gepackt und manchmal auch fast verzweifeln lassen. Man ist Mittreiber, Mitgestalter, wird aber manchmal auch einfach mitgestaltet.

 

Führte dieser Pfad dann aber in gerader Linie zur Gründung des Greentech Festivals?

Gemeinsam mit Alexia Osswald und Sven Krüger, der zusammen mit Nico Rosberg auch heute noch mein Partner beim Greentech Festival ist, habe ich 2008 die GreenTec Awards gegründet. Das Ziel war damals schon, die Treiber des nachhaltigen Fortschritts aus Forschung, Industrie, Politik und Gesellschaft zusammenzubringen. Wir wollten technologiebasierte Lösungsansätze, die nicht zuletzt dem Klimawandel entgegenwirken könnten, in den Vordergrund rücken.

Marco Voigt

Entrepreneur Marco Voigt gründete mit Alexia Osswald und Sven Krüger die GreenTec Awards. Es folgten Green Window, eine Kreativ- und Werbeagentur für Nachhaltigkeit, und das Greentech Festival. Voigt ist fasziniert von den Möglichkeiten, die grüne Technologien bieten, und will Innovationen eine größere Bühne geben. Neben dem neu gegründeten Bio-Start-up Delisch Food und der weiteren Internationalisierung des Greentech Festivals arbeitet er daran, einen eigenen grünen Investmentfonds aufzulegen.

 

Marco Voigt im dynamischen Portrait.
Marco Voigt ist immer in Bewegung. Das Festival soll 2022 auf drei Kontinenten stattfinden, parallel berät seine Green Window Agency Unternehmen darin, Nachhaltigkeit als Chance und Markt zu verstehen.

Wobei in den frühen 2000er-Jahren das Thema in der Breite kaum präsent war.

Gerade deswegen wollten wir etwas tun. Es gab damals erste Ansätze, alternative Antriebe für Autos und ökologische Landwirtschaft wurden immer intensiver diskutiert. Mir und uns ist damals aufgefallen: Es herrschte eine relativ abwartende, skeptische Haltung gegenüber technologischen Veränderungen. Wir wollten dagegen ein positives Bild malen, Wandel zelebrieren.

 

Das Greentech Festival ist genau damit überschrieben: „Celebrate Change“. Hat sich die Skepsis gelegt?

Zunächst einmal ist das Problem und sind die Herausforderungen, vor denen wir stehen, offensichtlicher geworden. Aber, ja, auch die Lust an der Lösung. Elektroautos sind da ein gutes Beispiel. Wie lange galten die als langweilig, unpraktisch und unnötig? Gleichzeitig suchte auch die Industrie, sei es aus dem Mode-, Ernährungs- und natürlich Mobilitätssektor, nach Möglichkeiten, Lösungen zu präsentieren. Die veränderten Rahmenbedingungen und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit Nico Rosberg haben uns die Möglichkeit gegeben, 2019 das Festival auf die Beine zu stellen. Auf dem können Industrien untereinander und mit den Menschen in Interaktion treten. Die Aufgaben und die Verantwortung sind so groß, da braucht es neue, branchenübergreifende Allianzen. Auch das steckt in der Idee des Greentech Festivals.

„Es braucht auch immer etwas Glück. Die Kraft des Moments, wenn man Zufall so übersetzen darf.“

Marco Voigt

Damit nicht genug: Mit der Green Window Agency beraten Sie Unternehmen darin, Nachhaltigkeit als Markt zu verstehen. Ist heute das Feld derer, die dort Beratung brauchen, immer noch so groß?

Das würde ich schon sagen. Zunächst aber gab es die Idee „Green Window“. Eigentlich wollten wir eine Art Online-Handelsplatz für nachhaltige Produkte schaffen. Wir mussten aber schnell feststellen, dass das nicht funktionierte. Es fehlte schlicht an der Breite des Angebots. Wenn man auf der einen Seite beispielsweise genau einen nachhaltig produzierten weißen Turnschuh hat, der auch noch teurer ist als die vielen unterschiedlichen konventionellen Modelle auf der anderen Seite, dann zieht es die meisten Menschen zur Vielfalt und nicht unbedingt zur Nachhaltigkeit.

 

Und doch hat etwas gezündet.

Eher aus dem Zufall heraus, ja. Es waren die Hersteller, die sich bei uns gemeldet haben. Viele sagten, dass sie gern mehr Vielfalt anbieten würden, aber nicht genau wüssten, wie sie das anstellen sollten. Wir haben uns praktisch selbst transformiert und wurden zur Beratungsagentur, beispielsweise für Banken, Brauereien, Kaffeemarken, Automobilisten oder auch einen Hersteller von Strumpfhosen.

Ein Bündel Lanyards des Greentech Festivals.
In diesem Jahr musste eine Veranstaltung in Nordamerika und Asien pandemiebedingt noch verschoben werden, 2022 soll das GTF eine interkontinentale Veranstaltung werden.

Das Greentech Festival

Am 4. und 5. November findet das Greentech Festival erstmals außerhalb Berlins statt, in London. Für das Jahr 2022 ist, neben Berlin und London, eine Veranstaltung in New York geplant. Audi ist seit 2019 Founding Partner und aktiver Gestalter des Festivals. Mehr zum diesjährigen Festival und zu den Awards sowie den Mitschnitt des vergangenen Jahres gibt es auf www.greentechfestival.com

Strumpfhosen kommen unerwartet. Was haben Sie geraten?

Das war auch wieder so ein Zufallsmoment. Wir hatten bei einer unserer Green-Award-Veranstaltungen einen „grünen“ Teppich aus Econyl. Das ist eine Kunststofffaser, die zum Beispiel aus recycelten Fischernetzen gewonnen wird. Damals stand eine deutsche Musikerin auf dem Teppich und hat in die Kameras der TV-Sender gerufen, dass sie gerade auf „Abfall“ stünde und wie wunderbar die Idee des Recyclings doch sei. Plötzlich hatte das Ganze mediale Wucht. Ich habe also der Geschäftsführung des Modeunternehmens genau diese Geschichte erzählt, und wir haben überlegt, ob man aus diesem Material nicht auch eine Strumpfhose produzieren könnte. So kam es dann.

 

Das ist nun tatsächlich Zufall, denn auch im Audi RS e-tron GT findet man besagte Faser. Muss man manchmal vorhandene Lösungen nur als solche erkennen?

Es geht darum, Zusammenhänge herzustellen, übergreifend und ergebnisoffen. Das ist wie gesagt auch der Ansatz des Greentech Festivals. Und klar braucht es auch immer etwas Glück, die Kraft des Moments, wenn man Zufall so übersetzen darf.

 

Und es bedarf eines inneren Antriebs oder einer Portion Sturheit? Oder Mut?

Auf jeden Fall sollte man nicht übermutig werden. Mut, auch mal Fehler zu machen, ja, aber nicht sehenden Auges. Fehler gehören dazu, darin liegt ja auch ein bisschen der Reiz. Ich habe es mir zum Motto gemacht, dass ich das, was sinnvoll und im Rahmen meiner Möglichkeiten machbar ist, einfach mache. Erst vor Kurzem habe ich ein Bio-Food-Delivery-Unternehmen gegründet, und so ist auch seinerzeit das Festival entstanden. Wir haben einen Bedarf gesehen, uns mit Nico Rosberg zusammengetan und einfach gemacht.

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100 km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100 km (WLTP); CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km.

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100 km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100 km (WLTP); CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km.

Wie geht es in den kommenden Jahren weiter mit dem Festival?

Berlin werden wir im kommenden Jahr auf jeden Fall machen und ganz sicher auch London. Auch in New York wollen wir nächstes Jahr einen neuen Anlauf wagen und gern noch Asien hinzunehmen. Wir reden sehr intensiv mit Audi und unseren Partnern darüber. Am Ende aber, und da sind wir auch ein Unternehmen, muss bei aller Begeisterung auch die Wirtschaftlichkeit gegeben sein.

 

Und mit dem Wandel, den es zelebrieren und voranbringen soll?

Es gibt hier aus meiner Sicht zwei treibende Kräfte: den Druck, den die Menschheitsaufgabe Klimawandel stetig erhöht, und den gesellschaftlichen Diskurs. Insbesondere in unserer westlichen Gesellschaft pflegen wir den Konsum. Ein natürlicher Reflex wäre, den Konsum einzuschränken, was aber den gesellschaftlichen Diskurs in eine schwierige Richtung drängen würde. Einen bewussteren Umgang mit Konsum halte ich für die bessere Vorgehensweise. Man muss, glaube ich, den Menschen bessere Möglichkeiten anbieten, zeigen und ausprobieren lassen. Dann klappt das vielleicht auch mit dem Wandel.

Voigt auf einer Couch in seinem Büro, über ihm prangt der Slogan des GTF: Celebrate Change.
Celebrate Change, den Wandel feiern: So lautet das Motto des Greentech Festivals. Gemeinsam mit Partnern wie Audi will Marco Voigt mit seinem Team den Menschen in Berlin, London und überall auf der Welt neue Möglichkeiten für einen nachhaltigeren Lebensstil nahebringen.
Der Audi RS e-tron GT in der erhöhten Seitenansicht

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Zukunftsweisend in Design und Technologie: Erfahren Sie mehr über den Audi RS e-tron GT und den Einsatz von Econyl als nachhaltigen Werkstoff.

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Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100 km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100 km (WLTP); CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km.