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„Nachhaltigkeit lässt sich nicht allein erreichen“

Marco Philippi verantwortet die Beschaffungsstrategie bei Audi und agiert damit an einer Schaltstelle der Nachhaltigkeit: einer zukunftsfähigen Lieferkette.

17.09.2021 Text: AUDI AG Foto: Dirk Bruniecki – Film: Nadia Hallgren Lesezeit: 6 min

Marco Philippi ist bei Audi Leiter der Strategie Beschaffung.
Marco Philippi, Leiter der Strategie Beschaffung bei Audi.

Herr Philippi, für den Film „Let’s make sense“ haben Sie kürzlich mit Stella McCartney über Nachhaltigkeit gesprochen. Hätten Sie als Betriebswirt sich vor zehn Jahren vorstellen können, dass Sie einmal mit einer Modedesignerin vor der Kamera stehen würden?

Nicht wirklich, aber ich muss sagen, es war eine spannende Erfahrung. Wir hatten uns viel zu sagen, und es war eine angeregte Diskussion. Stella McCartney steht für verantwortungsvolle Mode, und für Audi und in meiner Arbeit für das Unternehmen spielt das Streben nach Nachhaltigkeit ebenfalls eine große Rolle. Denn Nachhaltigkeit ist ein extrem wichtiger Teil in der Beschaffungsstrategie von Audi, die ich verantworte. Wir sind überzeugt, dass wir einen positiven Einfluss auf die gesamte Lieferkette haben und gemeinsam mit unseren Partnerunternehmen viel erreichen können.

 

Wie etabliert man mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette?

Seit 2019 vergeben wir Aufträge nur an die direkten Zulieferunternehmen, die eine positive Nachhaltigkeitsbewertung von uns erhalten haben. Dafür müssen sie einen umfangreichen Selbstauskunftsprozess durchlaufen, einen Fragebogen ausfüllen und zusätzlich ihr nachhaltiges Handeln in den Bereichen Soziales, Umwelt und Unternehmensethik mittels Zertifikat belegen, damit ihre Aussagen verifiziert werden können. Die Selbstauskunft und eingereichten Belege überprüft ein spezialisierter Dienstleister. Wir kontrollieren auch vor Ort, ob unser Code of Conduct und die darin geforderten Standards eingehalten werden, wenn die Auswertung des Fragebogens dafür einen Bedarf ergibt. Die Prüfung erfolgt durch zertifizierte Auditor_innen eines spezialisierten Dienstleisters. All das fließt in die Bewertung ein, und wer kein positives Rating hat, darf keine Geschäfte mit Audi machen. In den Wochen oder gar Monaten, die zwischen einem ersten Rating und einer Vergabe liegen, arbeiten wir mit den Zulieferunternehmen aber gerne daran, sich zu verbessern und unsere Standards doch noch zu erreichen. Allein 2020 haben wir mehr als 950 Beschäftigte von Zulieferunternehmen geschult.

Was wir tun, ist nicht nur Theorie. Wir können einen wirklichen Unterschied machen und etwas bewirken.“

Marco Philippi

Marco Philippi

Was ist die größte Herausforderung?

Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu schaffen und stetig zu verbessern. Wir arbeiten mit mehr als 14.000 direkten Zulieferunternehmen zusammen. In manchen Bereichen kommen wir in der Lieferantenbeziehung auf neun Ebenen, haben es also nicht nur mit Erstausrüstern zu tun, sondern auch mit jeder Menge Sublieferanten. Da ist es nahezu unmöglich, auf jeder Ebene volle Transparenz zu haben.

 

Wie lösen Sie das?

Eine Lösung wird der verstärkte Einsatz von Technologie sein. Wir pilotieren beispielsweise seit einigen Monaten Künstliche Intelligenz für die Risikoanalyse. Sie durchforstet das Internet wie beispielsweise soziale Medien. Gibt es Artikel oder Beiträge, die darauf hinweisen, dass ein Partnerunternehmen die mit uns vereinbarten Richtlinien nicht oder nicht mehr gewährleisten kann, erhalten wir einen entsprechenden Hinweis. Und dann haben wir die Möglichkeit, tiefer zu gehen und Fragen zu stellen. So können wir sehen, ob wirklich etwas im Gange ist oder ob wir vielleicht helfen können. Wenn wir es schaffen, da Transparenz zu erreichen, wo es sinnvoll ist, haben wir wieder einen Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt gemacht.

 

Werden wir uns in dieser nachhaltigeren Welt damit abfinden müssen, für eine ökologischere Lösung Abstriche bei Qualität oder Design zu machen?

Ich glaube fest daran, dass man beides haben kann: auf der einen Seite Nachhaltigkeit, auf der anderen Seite all die Eigenschaften, die man traditionellen Materialien abverlangt. Dazu ist es manchmal nötig, in eine neue Lösung zu investieren und neue Wege zu gehen.

Marco Philippi

Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1977, ist studierter Betriebswirt. Seit 2019 leitet er für Audi die „Strategie Beschaffung“ und verantwortet dabei unter anderem die Nachhaltigkeit in der Lieferkette sowie das Innovationsmanagement mit Lieferanten. Philippi stieg 2004 in den Volkswagen Konzern ein, arbeitete erst bei Volkswagen Consulting, dann in der Unternehmensstrategie der Marke Volkswagen und später in der Konzernbeschaffung. Vor seinem Wechsel zu Audi verantwortete er ab 2017 den neu geschaffenen Bereich „Strategie Beschaffung“ des Volkswagen Konzerns sowie der Marke Volkswagen in Personalunion.

Haben Sie ein Beispiel?

Sicher. Für den Audi e-tron GT quattro und den Audi RS e-tron GT etwa beziehen wir im Rahmen eines Pilotprojekts 20-Zoll-Felgen aus einem CO₂-reduziert hergestellten Aluminium. Das Zulieferunternehmen nutzt dafür ein selbst entwickeltes Schmelzverfahren, bei dem Sauerstoff anstelle von Kohlendioxid freigesetzt wird. Das zeigt, dass man keine Abstriche machen muss – manchmal ist vielleicht mehr Überzeugungsarbeit gefragt und der Beleg, dass man mit nachhaltigen Lösungen auch einen kommerziellen Business Case hat.

 

Was reizt Sie persönlich daran, Beschaffung und Nachhaltigkeit zusammenzubringen?

Ehrlich gesagt: Der Schritt, mich mit diesem Thema zu befassen, war das Beste, was mir in meinem Berufsleben je passiert ist. Das, was man täglich tut, hat eine ganz neue Wirkung. Das macht mir wirklich viel Freude, und ich empfinde das als sehr erfüllende Arbeit.

 

Und eine von großer Bedeutung, auch für das Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist enorm wichtig für uns, das gilt sowohl für den Verkauf neuer Produkte als auch für jeden Bereich innerhalb des Unternehmens. Nehmen Sie die Rekrutierung: Junge Menschen haben eine andere Sicht auf die Welt, das sehe ich auch bei meinen Kindern. Für sie ist Nachhaltigkeit nicht nur irgendeine Beigabe – sie muss der Kern sein, sie gibt ihnen Sinn. Für Unternehmen wurde sie in den vergangenen zwei bis drei Jahren zu einem Alleinstellungsmerkmal, und natürlich konkurrieren die Unternehmen bei diesem Thema. Andererseits kann man die Herausforderungen, vor denen wir in diesem Bereich stehen, nicht allein lösen. Ich bin überzeugt, dass man dafür über Unternehmensgrenzen hinweg zusammenarbeiten muss.

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch kombiniert*: 19,6–18,8 kWh/100km (NEFZ); 21,8–19,9 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch kombiniert*: 19,6–18,8 kWh/100km (NEFZ); 21,8–19,9 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Audi RS e-tron GT: Stromverbrauch kombiniert*: 20,2–19,3 kWh/100km (NEFZ); 22,5–20,6 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Marco Philippi in einer Werkshalle in Ingolstadt.
Technologie für die Zukunft: Marco Philippi in einer Werkshalle in Ingolstadt.

Und haben Sie das Gefühl, dass Sie tatsächlich etwas bewegen können?

Ja, denn was wir tun ist nicht nur ein theoretisches Konzept, es hat wirklich Auswirkungen auf unsere Lieferkette und auf unsere Zulieferunternehmen. Wir haben vielen von ihnen geholfen, ihre Bewertungen zu verbessern. Wir unterstützen sie dabei, die Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeitenden zu verbessern und ihren Energieverbrauch zu optimieren. Wir sehen also, dass wir gemeinsam einen Unterschied machen können. Allein 2020 haben wir mit unserem Audi CO₂-Programm in der Lieferkette weltweit mehr als 335.000 Tonnen CO₂ bilanziell eingespart¹ gegenüber dem CO₂-Ausstoß, den es ohne die Maßnahmen in diesem Programm gegeben hätte.

 

Fragen Sie sich manchmal, ob Sie genug tun, ob das reicht?

Bei dieser Frage muss ich wieder an meine Kinder denken. Für sie gibt es keine Grauzone beim Thema Nachhaltigkeit, für sie ist das schwarz und weiß. Wenn wir die Probleme nicht für sie lösen, wird die Welt eine andere sein. Und ich möchte sagen können: Wir haben alles getan, was wir können. Deswegen nehmen wir im Team und bei unserer Arbeit jede Idee ernst, auch wenn es eine sehr kleine ist. Und dann setzen wir sie in die Tat um. Wir arbeiten daran, unsere Lieferkette als eine starke Kraft des Guten zu nutzen. Das hört sich vielleicht kühn an, aber das ist es, war wir erreichen wollen.

¹ Unter bilanzieller CO₂-Neutralität versteht Audi einen Zustand, bei dem nach Ausschöpfung anderer in Betracht kommender Reduktionsmaßnahmen in Bezug auf verursachte CO₂-Emissionen durch die Produkte oder Tätigkeiten von Audi weiterhin vorhandene und/oder im Rahmen der Lieferkette, der Herstellung und des Recyclings der Audi Fahrzeuge aktuell nicht vermeidbare CO₂-Emissionen durch freiwillige und weltweit durchgeführte Kompensationsprojekte zumindest mengenmäßig ausgeglichen werden. Während der Nutzungsphase eines Fahrzeugs – das bedeutet ab seiner Übergabe an den Kunden – anfallende CO₂-Emissionen werden hierbei nicht berücksichtigt.

¹ Unter bilanzieller CO₂-Neutralität versteht Audi einen Zustand, bei dem nach Ausschöpfung anderer in Betracht kommender Reduktionsmaßnahmen in Bezug auf verursachte CO₂-Emissionen durch die Produkte oder Tätigkeiten von Audi weiterhin vorhandene und/oder im Rahmen der Lieferkette, der Herstellung und des Recyclings der Audi Fahrzeuge aktuell nicht vermeidbare CO₂-Emissionen durch freiwillige und weltweit durchgeführte Kompensationsprojekte zumindest mengenmäßig ausgeglichen werden. Während der Nutzungsphase eines Fahrzeugs – das bedeutet ab seiner Übergabe an den Kunden – anfallende CO₂-Emissionen werden hierbei nicht berücksichtigt.

Die Lieferkette spielt für Audi eine wichtige Rolle auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Mehr Informationen, weitere Daten und Fakten zum Thema finden Sie hier.

Let’s make sense: Sehen Sie hier den Film.

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